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Feuchtbiotope an der alten Vöhler Quelle


Das Hessische Umweltministerium hat im Zusammenhang mit der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) ein Förderprogramm zur Renaturierung von Gewässern und Auen aufgelegt, das sich „100 Wilde Bäche“ nennt, ist schon beplant und wird in 2026 umgesetzt. So bietet sich z. Bsp. das Areal an der alten Vöhler Quelle an.

Ziel dieses Programmes ist es, den Fließgewässern ihre natürliche Struktur wiederzugeben. Das Programm fördert Renaturierungsmaßnahmen an ausgewählten Gewässern mit bis zu 95% und beinhaltet darüber hinaus noch die Bereitstellung eines Dienstleisters zur Projektplanung und zum -management, der vollständig aus Landesmitteln finanziert wird.
Wir haben das große Glück, dass

der Aselbach von Vöhl mit einer Länge von rund 7 km einer von diese 100 „wilden Bächen“ ist.

Das möchten wir auf den Flurstücken 2,3 und 4 der Flur 7 „Auf der Simmetse“ (vergl. Flurkarte) nutzen. Sie eignen sich in besonderer Weise zur ökologischen Aufwertung, weil sie bereits aufgrund ihres aktuellen Zustandes und ihrer Lage in der Aue ein hohes Potential aufweisen. Ziel soll die Anlage eines Feuchtbiotopes sein. Der Aselbach führt an dieser Stelle das ganze Jahr über Wasser, so dass das Biotop auch ganzjährig feucht bleiben kann. Zudem befinden sich die Flurstücke 3 und 4 in Gemeindeeigentum und es besteht die Möglichkeit, das Nachbarflurstück 2 noch zu erwerben.

Jeder von uns hat schon etwas vom Artensterben gehört. Dieses umfasst sowohl Pflanzen-, als auch Tierarten. Das Insektensterben ist eine bekannte Tatsache und auch Vogelarten sind extrem im Rückgang. Der bekannteste deutsche Ornithologe, Prof. Peter Berthold, hat beispielsweise in seinem Buch Unsere Vögel (Warum wir sie brauchen und wie wir sie schützen können) darauf hingewiesen, dass seit dem Jahr 1800 (seitdem Vögel beobachtet und registriert werden) ihr Bestand um 80% abgenommen hat. Besonders dramatisch war diese Entwicklung in den letzten 30 Jahren, wo angefangen wurde, mit Insektiziden auf Basis von Neonikotinoiden (ein Nervengift) die Nutzpflanzen vor Fraßfeinden zu schützen. Dies führte zu dem bekannten Rückgang der Insekten um 70 – 80% und somit auch zur Futterverknappung für Vögel.
Eine weiterhin veränderte Landschaft durch Flächeninanspruchnahme, intensive Landnutzung, Schadstoffeintrag und Zerschneidung von Biotopen hat die notwendigen Ökosysteme extrem stark verringert. Um den Vögeln neue Lebensräume zu schaffen, schlägt Prof. Berthold deshalb vor, dass alle Gemeinden Feuchtbiotope anlegen sollen, die die Vielfalt der Vogelarten und deren Gesamtzahl erheblich verbessern helfen. Er selber hat in der Nähe des Bodensees mit solchen Arealen angefangen und mit der Anlage des Heinz-Sielmann-Weihers einen großen Erfolg erzielt. Auch die Bevölkerung ist jetzt stolz auf die entstandenen Anlagen und benutzen sie zur Erholung und Beobachtung. Bei uns wäre eine solche vorgeschlagene Anlage wesentlich kleiner, aber trotzdem sehr effektiv, da rundherum Wiesen sind und der Bachlauf mit Bäumen und Büschen bewachsen einer Vielzahl von Vögeln ein neues Zuhause bieten würde.
Ein besonders interessanter Hinweis in Verbindung mit der Coronapandemie ist die Erkenntnis, dass ein großer Artenreichtum das Ausbreiten von gefährlichen Viren behindert, eine Artenarmut dagegen solche Viren fördert (Siehe Artikel: Gefahr aus der Höhle Der Spiegel Nr. 15/4.4.2020 Seite 106/107).